Sale: 503 / Post War / Contemporary Art II, July 17. 2020 in Munich Lot 29

 
29
Jörg Immendorff
Proudhon, 1992.
Oil on canvas
Estimate:
€ 25,000 - 35,000

 
$ 28,500 - 39,900

+
Lot description
Proudhon. 1992.
Oil on canvas.
Not in Gohr. Signed and dated in lower right. Titled in upper left. 90 x 70 cm (35.4 x 27.5 in).
This work offered here was not made by the artist's studio but by the artist himself.
• Immendorff was much more intensively occupied with the portrait than it was the case with many his contemporaries.

PROVENANCE: Private collection Düsseldorf.
Private collection Baden-Württemberg.

Called up: July 17, 2020 - ca. 13.28 h +/- 20 min.

Essay
Protestparolen, kritische Gesten mit Witz, Stellungnahmen und politische Solidaritätsbekundungen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Werk des deutschen Künstlers und Kunstprofessors Jörg Immendorff. Vor allem in seinen Jugendjahren ist Immendorff bekennender Kommunist und verfolgt mit seiner Kunst anarchisch-basisdemokratische Ziele. So verwundert es nicht, dass er sich unter anderem mit den Theorien von Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865) beschäftigt. Der französische Ökonom und Philosoph gilt als einer der ersten Vertreter des solidarischen Anarchismus. Berühmt wird er durch den Satz "Eigentum ist Diebstahl!" aus seinem Manifest "Qu’est-ce que la propriété?". Hier propagiert er die gleichmäßige Verteilung des Produktionseigentums zulasten des gewerblichen Großeigentums und zugunsten einer Vielzahl von Kleinproduzenten. Schon früh gehören bei Immendorff politische Figuren wie Lenin, Marx, Stalin und Friedrich der Große zum Bildpersonal. Der Künstler nutzt die symbolische Kraft der Geschichte, um eine neue Form der Bildgestaltung zu erschaffen. Er versucht, den revolutionären Geist vergangener Zeiten aufrecht zu erhalten, und weißt dabei der Kunst eine entscheidende Rolle zu. In einem Zeitungsinterview aus dem Jahr 2001 äußert sich Immendorff wie folgt: "Um mit Proudhon zu sprechen: Wenn man die Freiheit nicht immer wieder aufs Neue erringt, dann verliert man sie. Errungenschaften können auch verrotten. Ich vermisse heute die zornigen jungen Künstler, die das verhindern." (Zit. nach: Die Welt, 17.2.2001) Das Spätwerk Immendorffs ist weniger plakativ und aufrührerisch im Vergleich zu den frühen Arbeiten. Ab Anfang der 1990er Jahre leeren sich die Bildräume im Werk von Jörg Immendorff merklich, Figuren und Requisiten werden sparsamer und dafür umso pointierter in undefinierten Räumlichkeiten positioniert. Den lauten politischen Protest nimmt der Künstler in den 1990er Jahren zurück, seine Werke werden leiser und subtiler. Wäre das Gemälde nicht mit "Proudhon" betitelt, würde man den Mann auf dem Fahrrad wahrscheinlich kaum als solchen erkennen. Immendorff ruft den etwas in Vergessenheit geratenen Protagonisten des Anarchismus zurück auf die Bretter der Weltbühne und damit in unsere Aufmerksamkeit. [SM]
 


Buyer's premium, taxation and resale right apportionment for Jörg Immendorff "Proudhon"
This lot can be purchased subject to differential or regular taxation.

Differential taxation:
Hammer prices up to € 500,000: 32 % buyer's premium
Hammer prices above € 500,000: for the share up to € 500,000: 32%, for the share above € 500,000: 27% buyer's premium
The buyer's premium contains VAT, however, it is not shown.

Regular taxation:
Hammer prices up to € 500,000: 25 % buyer's premium plus statutory sales tax Hammer prices above € 500,000: for the share up to € 500,000: 25%, for the share above € 500.000: 20% buyer's premium, each plus statutory sales tax

We kindly ask you to notify us before invoicing if you wish to be subject to regular taxation.

Resale right apportionment:
Objects made by artists who have not died at least 70 years ago are subject to a resale right apportionment of 2.4% including statutory sales tax.