Sale: 330 / Modern Art / Post-War, Dec. 05. 2007 in Munich Lot 161

 
Emil Nolde - Agaven und Kaiserkronen


 
161
Emil Nolde
Agaven und Kaiserkronen, 1925.
Watercolour
Estimate:
€ 80,000 / $ 96,000
Sold:
€ 96,000 / $ 115.200

(incl. 20% surcharge)
Lot description

Agaven und Kaiserkronen. Um 1925.
Aquarell.
Links unten signiert. Auf feinem Japanbütten 35 x 47,5 cm ( 13,7 x 18,7 in), blattgroß.

Mit einer Foto-Expertise von Herrn Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 9. Oktober 2007. Das Werk ist dort registriert

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland.

Am 7. August 1867 wird Emil Hansen im Ort Nolde, dessen Namen er später annimmt, im deutsch-dänischen Grenzland geboren. Mit dem Entschluss, Maler zu werden, geht Nolde nach München, doch die Akademie unter Franz von Stuck lehnt ihn ab. Es folgt ein Studium an der privaten Malschule von Adolf Hölzel in Dachau und ab 1899 an der Académie Julian in Paris. 1900 mietet er ein Atelier in Kopenhagen und zieht 1903 auf die Insel Alsen. Durch die Auseinandersetzung mit den Neoimpressionisten Vincent van Gogh, Edvard Munch und James Ensor gelangt Nolde ab 1905 von seinem anfänglich romantischen Naturalismus zu einem eigenständigen Stil, in dem die Farbe eine wesentliche Rolle spielt; es entstehen farbintensive, leuchtende Blumenbilder. 1906 lernt Nolde die "Brücke"-Maler kennen, deren Gruppe er sich vorübergehend anschließt. In einer Reihe von Porträtstudien beginnt die Hinwendung zum Aquarell. Als Nolde 1909 in dieser Technik erstmalige Versuche auf nicht saugfähigem Papier unternimmt, dabei das Blattweiß in großen Teilen stehen lässt und auf eine Konturierung in der Gegenstandserfassung verzichtet, sind diese Neuerungen zukunftsweisend. Nach einer Kontroverse mit Max Liebermann wird Nolde aus der "Berliner Sezession" ausgeschlossen und gründet 1910 mit anderen zurückgewiesenen Künstlern die "Neue Sezession", an deren Ausstellungen er bis 1912 teilnimmt. Von einer Expedition nach Neu-Guinea 1913 bringt er reiches Studienmaterial mit, das er in zahlreichen Werken noch bis 1915 verarbeitet. Ab 1916 verbringt er den Sommer auf der Insel Föhr.

Obgleich Emil Nolde viel und bewusst mit der Aquarelltechnik experimentiert, vermeidet er so weit wie möglich eine Perfektionierung der Technik, um sich nicht seiner unmittelbaren, spontanen Herangehensweise zu berauben. Zu Beginn seiner Auseinandersetzung mit dem Aquarell benutzt Nolde dazu die Mitwirkung der Natur, indem er im Freien unter Witterungseinflüssen arbeitet. Von dieser Praktik wendet er sich bald ab, behält aber eine meditative, das Ungeplante fördernde Schaffensweise bei. Begünstigt durch die von ihm verwendete nasse Technik auf saugfähigem Papier bedient er sich der Farbe als Träger emotionaler Qualitäten, die nicht der Wiedererkennung der gegenständlichen Form, sondern der intuitiven Annäherung an seine Bildvorstellung dient.

1928 lässt sich Nolde in Seebüll nieder. Der dort angelegte Garten wird zur unerschöpflichen Inspirationsquelle seiner Malerei. Unter den Nationalsozialisten wird er als Künstler verfemt und seit 1941 mit einem Arbeitsverbot belegt. In den letzten Lebensjahren entstehen v.a. Aquarelle mit Blumen- und Landschaftsmotiven aus der näheren Umgebung seines Hauses in Seebüll, wo Nolde 1956 verstirbt. [NB]

Zustand: Guter und farbfrischer Gesamteindruck. Oberkante mit vereinzelten winzigen Einrissen, verso mit Filmband hinterlegt. Linke untere Ecke mit schwacher Knickspur und kleinem Einriss, verso mit Filmband hinterlegt, recto durchfettend. Rechte untere Ecke mit kleinem Papierverlust. Linker Rand oben zudem mit winzigem Einriss, Unterrand mit winziger Bestoßung.

161
Emil Nolde
Agaven und Kaiserkronen, 1925.
Watercolour
Estimate:
€ 80,000 / $ 96,000
Sold:
€ 96,000 / $ 115.200

(incl. 20% surcharge)